Siegerland

Zur Kulturlandschaft Siegerland gehört etwa die westliche Hälfte des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein und damit das gesamte Territorium des ehemaligen Fürstentums Nassau-Siegen. Die mittelalterliche-neuzeitliche Residenzstadt Siegen mit den bestens erhaltenden Unteren- und Oberen Schloss sind für die Kulturlandschaft von besonderer Bedeutung.

© Touristikverband Siegerland-Wittgenstein e.V. / Klaus-Peter Kappest

Das Siegerland wird seit der Eisenzeit bis in unsere Gegenwart durch die Erzgewinnung geprägt. Die waldbedeckten Berghöhen, die hohen Niederschläge und zahlreiche Quellen und Flüsse waren die wichtigsten Voraussetzungen für die zunächst handwerkliche und später industrielle Förderung und Produktion von Erzen. Der Bergbau hinterließ Stollensysteme, Hütten- und Hammerwerke sowie Hohlwege. Das Fernhandelsnetz mit der mittelalterlichen Eisenstraße oder der Napoleonsweg weisen auf intensive Verflechtungen zu den Absatzmärkten hin.

Die mittelalterliche Besiedlung fand in Form von Weilern, Straßen-, Haufen- und Kirchdörfern in den Tälern statt. Die dörfliche Bebauung bestand aus Fachwerk, ab dem 18. Jahrhundert infolge von Holzmangel als Ständerwerk. Bedeutendste Stadt ist die vom Fürstentum Nassau geprägte Residenzstadt Siegen mit umgebendem Landwerksystem und die mittelalterliche Stadt Freudenberg („Flecken“) mit historischem Stadtkern.

Die natürlichen Wälder des Siegerlandes wurden in der Geschichte der Erzverarbeitung derartig stark genutzt, dass die Devastierung zur wirtschaftlichen Not führte. Die im 15. Jahrhundert erlassenen Holz- und Waldordnung führte zur nachhaltigen Haubergs-Bewirtschaftung. Heute bestimmt ein Waldanteil von 65 v.H. das Landschaftsbild des Siegerlandes.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts entstanden in den ländlichen Siedlungen ausschließlich Fachwerkhäuser, auch sogenannte Ernhäuser mit einem Wohn- und Stallteil unter einem Dach. In der Zeit nach 1850 errichteten erfolgreiche Unternehmerfamilien vor allem an den Ausfallstraßen prächtige Villen. Das zurückhaltende Äußere der Villen weisst auf die Mentalität des strengen Protestantismus zurück. Übrigens sind Siegerländer an der unverwechselbaren Mundart, die zum Moselfränkischen gehört, erkennbar.