Juli 2017

Ein Stück Kulturerbe im Siegerland

Anfang Mai rauchte der Kohlenmeiler in Walpersdorf

Rauch zieht auf vom Meiler in Walpersdorf
Rauch zieht auf vom Meiler in Walpersdorf - © Naturpark Sauerland-Rothaargebirge

Am Fuß des Rothaargebirges, unweit der Quelle der Sieg, liegt Walpersdorf. Ein Ort, in dem eine noch jahrhundertealte Tradition betrieben wird-die Köhlerei. Diese dient der Herstellung von Holzkohle und stellt eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschheit dar, die im Jahr 2014 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Auch im Siegerland hat die Verkohlung von Holz eine lange Vergangenheit. So wurde die Holzkohle früher als  Energieträger für die Eisenerzeugung und –verarbeitung genutzt. Mit dem Erlöschen der Hochöfen und dem zunehmenden Einsatz von Erdgas brach dieser Absatz in den 1970er Jahren jedoch ein. Heute wird die gewonnene Holzkohle hauptsächlich als Grillkohle verkauft.

Wie wird aus einem Kohlenmeiler die begehrte Holzkohle gewonnen?

Auf einer ebenen Fläche wird  ein senkrechter Schacht aus Stangen, der sogenannte Quantelschacht, errichtet. Darum herum werden in mehreren Schichten Laubhölzer (Eiche, Birke, Buche) aufgestapelt, bis ein Iglu-artiges Gebilde entsteht. Der so aufgeschichtete Holzkegel wird mit Heu und Rasenstücken sowie der aschehaltigen Erde des Meilerplatzes luftdicht abgedeckt. Nachdem der Köhler Luftlöcher (Grassoden) in den Meiler gestochen hat, entzündet er ihn über den Mittelschacht. Während des zweiwöchigen Verkohlungsprozesses, in dem die Holzscheite von oben bis unten zu Holzkohle verschwelen, muss der Kohlenmeiler ständig bewacht und betreut werden. Sobald blauer Rauch aus den Löchern kommt, hat sich das Holz in Kohle verwandelt. Der zuständige Köhler verstopft daraufhin die Luftlöcher und der Meiler beginnt langsam auszukühlen.

Über den Sommer verteilt werden in Walpersdorf etwa vier Meiler an verschiedenen Plätzen aufgebaut und verkohlt. Neben dem Meiler im historischen Hauberg Fellinghausen gehören diese zu den einzig regelmäßig aktiven Meilern im Kreis Siegen-Wittgenstein. Um mehr über die Geschichte der Köhlerei, des Haubergs und der Holzkohle zu erfahren, lohnt sich eine Begehung des rund 4,5km langen Köhlerpfads, der dies anhand von Schautafeln anschaulich illustriert. Start dieses Rundwegs ist der Wanderparkplatz „Köhlerplatz“. Ebenso ermöglicht es bspw. Köhler Reinhold Wagener Kindergärten und Schulklassen näheres über das historische Handwerk zu erfahren.