Holunder und die Stieleiche kündigen den Herbst an

Wer meint, dass es nur vier Jahreszeiten gibt und ausschließlich der meteorologische Kalender die Wechsel vorgibt, der ist weit gefehlt. Denn die Vegetationsstadien der Pflanzen geben Auskunft über unsere Jahreszeiten. Der Deutsche Wetterdienst wertet die sog. phänologischen Daten bereits seit 1951 aus.

by  , 27. September 2016
Indiansummer
Indiansummer - © Pixabay

Grüne Eicheln fallen von den Stieleichen, die Holunderbeeren sind reif - der Herbst hält Einzug. Im Sommer sind es die Lindenblüten, die den Wechsel der Jahreszeit ankündigen. In Deutschland sind es 1.200 Beobachter, die für den Deutschen Wetterdienst den Verlauf der Jahreszeiten und das Wechselspiel zwischen Witterung und Pflanzenwachstum beobachten. 22 Beobachter kommen aus Südwestfalen und nehmen unter anderem die Pflanzen im Naturpark Sauerland Rothaargebirge genau unter die Lupe.

Zehn Jahreszeiten

Astronomische und meteorologische Jahreszeiten sind uns allen bekannt. Doch nicht nur die festgelegten, kalendarischen Termine geben Rückschlüsse auf einen Wechsel der Jahreszeit. Insbesondere unsere Bäume und Pflanzen geben Auskunft, wann wir uns auf die nächste Jahreszeit einstellen müssen. In der sog. Phänologie (Auswertung von im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungen in der Natur) unterscheiden die Beobachter zwischen zehn Jahreszeiten. So beginnt der Vorfrühling mit Haselnussblüte, der Erstfrühling mit Forsythie und der Vollfrühling mit der bekannten Apfelblüte. Der Frühsommer wird stattdessen von Holunderblüten eingeleitet, der Sommer mit Lindenblüten und der Spätsommer mit Ebereschen. Sobald die Holunderbeeren reif sind, hat der Frühherbst Einzug gehalten. Vollherbst wird mit dem Fall der Eicheln und der Spätherbst mit der Verfärbung der Eichenblätter eingeläutet. 

Auch in diesem Herbst können wir wieder beobachten, dass die ersten Eicheln bereits grün und braun von den Bäumen fallen. Dies ist sehr früh. Laut den Datenreihen des Deutschen Wetterdienstes fielen in den 50er-Jahren die Eicheln erst Ende September von den Bäumen.

Auswertung seit 1951

Bereits seit 1951 sammelt der Deutsche Wetterdienst von seinen Beobachtern die phänologischen Daten. Einige Veränderungen lassen sich ablesen. So hat sich die Vegetationszeit trotz steigender Temperaturen nicht verlängert. Zwar setzt der Frühling früher ein und der Herbst beginnt später, doch legen die Pflanzen im Frühling regelmäßig eine Wachstumspause ein. In der Summe ist die Vegetationszeit daher gleichlang.